Geschichte der Gemeinde Hamburg-Borgfelde

Die Anfänge der Hamburger Gemeinde 1848

Nachdem im Frühjahr 1848 Apostel Carlyle in Berlin die erste Hauptgemeinde für Norddeutschland gegründet hatte, fanden dort regelmäßig Gottesdienste statt. Vorsteher war der Evangelist und spätere Apostelhelfer Böhm. Er war es vermutlich auch, der die apostolische Glaubenslehre nach Hamburg trug. Er hatte den Hamburger Polizeisenator Hudtwalcker 1850 mit der Apostellehre bekannt gemacht. Ein Eintrag bei der Hamburger Polizei verweist auf die Existenz einer Hamburger Gemeinde seit dem Jahre 1848.

Der erste offizielle, öffentliche Gottesdienst fand am 19. April des Jahres 1854 statt. Bischof Rothe aus Berlin hielt diesen Gottesdienst  im Haus des Tischlers Gronau in der Lilienstraße 53. Der 19. April 1854 darf als Gründungsdatum der Hamburger Gemeinde angenommen werden. Im Mai desselben Jahres sandte Bischof Rothe den Priester Haeger aus Berlin als Vorsteher für die Gemeinde nach Hamburg. Das erste Gottesdienstlokal befand sich in der Schauenburger Straße 10 in der Hamburger Innenstadt.

Erster Besuch eines  Apostels 1854

Im August des Jahres 1854 besuchte Apostel Thomas Carlyle die Hamburger Gemeinde und führte die erste Versiegelung durch.

Der Mietpreis für das Lokal in der Schauenburger Straße war jedoch zu hoch für die kleine Gemeinde. Sie bestand zu der Zeit aus etwa 20 Mitgliedern. Man mietete von einem Gemeindemitglied ein neues Lokal in der „Zweiten Marienstraße 10.“  Dort wurden sonntäglich drei Gottesdienste abgehalten.

Schwierigkeiten bekam die kleine Gemeinde, als aufgrund eines anonymen Hinweises bei der Polizei der Vorsteher Haeger, der Diakon Hochschildt und der Vorsänger Merckel von der Polizei verhaftet und verhört wurden. Man warf ihnen „demokratische Umtriebe“ vor.  Im Januar 1855 wurden Zusammenkünfte untersagt und der Vorsteher Haeger ausgewiesen. Ein halbes Jahr später lockerte die Behörde das Verbot, sodass wenigstens religiöse Zusammenkünfte stattfinden konnten. Allerdings durfte die Gemeinde keinen Geistlichen anstellen. Die Bezahlung der Amtsträger durch die Gemeinden war zu der Zeit gängige Praxis. Erst als der Tischlergeselle Carl Wilhelm Ludwig Preuß, der in Hamburg einen Arbeitsplatz fand und deswegen nicht bezahlt werden musste, die Gemeinde übernahm, hatte diese wieder einen Priester.              

Die Gemeinde unter Bischof Schwarz und Priester Preuß 1859                                                  

Priester Preuß widmete sich der Gemeinde mit großer Hingabe. In den folgenden Jahren zeigte sich trotz Weiterbestehens der behördlichen Restriktionen ein so reges geistliches Leben, dass sich Bischof Rothe Ende 1858 entschloss, einen Ältesten zur Leitung der Gemeinde nach Hamburg zu versetzen. Es handelte sich um den Berliner Ältesten Friedrich Wilhelm Schwarz, der 1859 nach Hamburg umzog. Es wird vermutet, dass er im selben Jahr die Aufhebung der behördlichen Restriktionen erreicht hat. Apostel Woodhouse übertrug im damaligen Hamburger Versammlungsraum der Gemeinde, einem Tanzsaal im Valentinskamp 58, dem Ältesten Schwarz 1860 das Bischofsamt. Bischof Schwarz arbeitete nun als Bischof und Vorsteher mit Priester Preuß zusammen.

Unter der Leitung des Bischofs Schwarz entwickelte sich die Gemeinde lebhaft. Offenbar konnten auch die finanziellen Schwierigkeiten beseitigt werden, was die Möglichkeit eröffnete, sich nach einer neuen Unterbringung umzusehen. Der Tanzsaal im Valentinskamp war für die 1862 immerhin schon 180 bis 200 Mitglieder starke Gemeinde zu klein geworden. Nicht weit vom Valentinskamp entfernt wurde damals in der Ersten Marienstraße (später umbenannt in Jan-Valckenburg-Straße) ein altes Haus abgerissen und ein neues Wohnhaus mit Hintergebäude gebaut. Bischof Schwarz erreichte, dass im ersten Stock des Hinterhauses ein „Betsaal“ eingebaut wurde, der mit ca. 310 Quadratmetern Platz für bis zu 600 Menschen bot. Das Gebäude wurde künftig als die „Apostolische Missionskapelle“ bezeichnet.

Die Trennung von der „Katholisch-Apostolischen Kirche“ 1863

Nachdem das Kollegium der Apostel neue Rufungen des Propheten Geyer nicht anerkannt hatte - neue Apostel wurden durch Propheten gerufen und durch Apostel im Amt bestätigt -,  bestand bei etlichen Amtsträgern und Mitgliedern berechtigte Sorge um den Fortbestand der Kirche. Von den ursprünglich 12 Aposteln waren bereits etliche verstorben und ihre Plätze nicht wieder besetzt worden. Die Hamburger Gemeinde unter Bischof Schwarz und Priester Preuß entschloss sich, den neuen Apostel Rosochacky anzuerkennen. Dieser zog sich jedoch zurück und die Gemeinde war nun ohne Apostel.

Die Fortsetzung und Ausbreitung der Apostellehre mit weiteren Aposteln bis zur Wiederkunft Jesu Christi war Überzeugung und besonderes Anliegen der Hamburger Gemeinde unter Bischof Schwarz. Im Glauben daran nahm man die Trennung von der Katholisch-Apostolischen Kirche in Kauf.

Am 27. Januar 1863 informierte Apostel Woodhouse Bischof Schwarz und den Propheten Geyer, welcher verschiedene neue Apostel gerufen hatte, über ihre Exkommunikation. Dieses Schisma markiert die Trennung der „neuen“ von der „alten Ordnung“.

Im Frühjahr 1863 wurden erst der Priester Preuß und kurze Zeit später der Bischof Schwarz durch verschiedene Weissagungen zu Aposteln gerufen. Während Apostel Preuß die Hamburger Gemeinde betreute, reiste Apostel Schwarz nach Amsterdam, um in den Niederlanden das Wort Gottes zu verkünden.

Umzug der Gemeinde in die „Roggenbrodsche Kapelle“ in der Alfredstraße

Da die neuapostolische Gemeinde schnell weiter wuchs, wurde die Versammlungsstätte in der Breiten Straße zu klein. Ende des Jahres 1893 wurde daher auf Anraten des Apostels Krebs vom Ältesten Wachmann das zum Verkauf stehende Grundstück Ecke Alfredstraße/ Claus-Groth-Straße erworben. Hier stand eine bisher von der "Philadelphia-Gemeinde" genutzte Kapelle, die sogenannte „Roggenbrodsche Kapelle“, umgeben von einem großen Garten. Ein Pastor Roggenbrod hatte die Kirche bauen lassen, um eine separate Gemeinde zu gründen. Damit hatte er jedoch kein Glück, denn als er bald darauf starb, zerstreuten sich die von ihm gesammelten Anhänger und die Kirche stand leer und verlassen. So bot sich hier eine günstige Gelegenheit, einen zweckentsprechenden und würdigen Versammlungsraum zu schaffen.

Von diesem Gebäude zeugen heute noch Fotos. Im Eingangsbereich der heutigen Kirche befindet sich auch ein Kirchenmodell der Roggenbrodschen Kapelle. Dieses Modell wurde von Brüdern in aufwendiger und fachlich hochwertiger Arbeit erstellt.

Umbau der Kirche 1926

Im Sommer 1926 wurde die alte Kapelle in Hamburg-Borgfelde umgebaut und vergrößert. Nach dem Umbau hatte die Kirche Platz für etwa 700 Personen. Dabei wurde im Wohnungsanbau auch eine Geschäftsstelle eingerichtet, in der die Abwicklung des Abrechnungsverkehrs zwischen den Gemeinden und der Hauptkasse des Apostelbezirkes stattfand, aber auch die Vermögens- und Grundstücksverwaltung ihren Platz hatte.

Durch die Bombardierung Hamburgs während des 2. Weltkrieges wurde auch die Borgfelder Kirche zerstört. Bei der Räumung der Trümmerstätte wurde in den Trümmern des Fundamentes die in einer Flasche verschlossene Urkunde gefunden, die bei dem im Jahre 1867 erfolgten Neubau der Borgfelder Kirche im Fundament eingemauert worden war. Die aus den Trümmern gewonnenen Backsteine der alten Borgfelder Kirche wurden für den Kirchenneubau der Gemeinde Doosthof verwendet.

Einweihung der Notkirche 1950

Auf dem geräumten Kirchengelände wurde eine alte Wehrmachtsbaracke als Notkirche errichtet, um den Borgfelder Gemeindemitgliedern wieder ein Zuhause zu geben. Diese „Notkirche“ wurde am 22. November 1950 eingeweiht. Sie hatte 150 Plätze und diente 20 Jahre lang als Versammlungsstätte. Im Jahre 1970 wurde die Kirche durch einen Anbau erweitert. Bei der Einweihung der erweiterten Kirche wurde die Gemeinde Hamburg-Hasselbrook, die zuvor in einer Schule ihre Gottesdienste feierte, mit der Gemeinde Borgfelde zusammengelegt.

Der damalige Bezirksapostel Weinmann veranlasste 1976 den Abriss der Kirche, um einem Neubau Platz zu machen. Während der Bauzeit fanden die Gottesdienste für die Gemeinde in der Aula der Schule Osterbrook statt.

Einweihung des heutigen Kirchengebäudes 1978

Nachdem die Kirchenverwaltung am 18. Mai 1976 die Baugenehmigung für ein neues Kirchengebäude erhalten hatte, konnte die neue Kirche nach rund zwei Jahren Bauzeit am 12. November 1978 vom damaligen Bezirksapostel Günther Knobloch geweiht werden. Anwesend waren auch die Bezirksapostel i. R. Weinmann und Schumacher.

Im Erdgeschoss des achteckigen Gebäudes empfängt den Besucher eine geräumige Eingangshalle. Von der Eingangshalle gehen die Sakristei und Nebenräume ab. Zwei großzügig geschwungene Treppen führen zum Kirchenschiff im ersten Stock. Das Kirchenschiff bietet ca. 250 Personen Platz. Von dort führen zwei weitere Treppen zur Empore hinauf. Diese bietet weitere ca. 200 Sitzplätze.